Wir sind es gewohnt Baustellen zu passieren, in stockenden Autoschlangen daran vorbei zu fahren, neben lauten Baggern und Kränen zu wohnen oder arbeiten zu müssen. Und wir sind erleichtert, wenn sich die klaffende Wunde im urbanen Gefüge wieder schliesst, die Stelle wieder passierbar wird und im besten Fall ein guter neuer Ort entstanden ist. Es wird geplant, gebaut, vollendet. So ist das hierzulande.
Wie ist es aber, wenn sich solche Stellen nicht mehr schliessen? Wenn die Ressourcen ausgegangen sind, die Betonmischer verstummt, die Arbeiter abgezogen und nur die Skelette stehenbleiben? Kein Hauch von neuem Leben. Für Jahre, für immer? Wie sehen diese versehrten Orte aus nach dem Stillstand? Was bleibt zurück?

In Italien gibt es fast 900 staatliche Baustellen, die eingestellt und bis heute nie vollendet wurden („opere incompiute“), weil es an Geldern fehlte, unrealistische Zeitpläne gemacht wurden oder willkürliche Vergaben an Baufirmen stattgefunden haben - Sportstätten, Schulen, Spitäler, Theater, ebenso wie Wohn- und Infrastrukturbauten, dh. Strassen und Brücken. Werden die Arbeiten für längere Zeit unterbrochen, kann später auch die Notwendigkeit fehlen ein Gebäude jemals fertig zu stellen.

Seit 2011 gibt es in Italien ein Gesetz, welches dem Ministerium für Infrastruktur vorschreibt, jährlich eine Liste aller unvollendeten, von staatlichen Geldern gespiesenen Bauvorhaben zu veröffentlichen. Allein in der Region Lazio gibt es über 80 solcher Projekte die stillstehen und deren Ausgang noch in den Sternen steht. Um ein Beträchtliches grösser ist die Zahl der geplatzten Bauvorhaben über die nie jemand Buch führen wird, da sie von privaten Investoren und Bauherren lanciert worden sind.

In seiner Arbeit hinterfragt Roger Frei den Charakter und die Stimmung der betroffenen Schauplätze mit fotografischen Mitteln und demaskiert das Vorgefundene als Mahnmal von Verschwendung und Misswirtschaft.

Diese Seite ist noch nicht für mobile Geräte optimiert!

OK